"Archäologen, kehrt doch vor der eigenen Tür"

Der Titel besagt eigentlich schon alles.

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Walter Franke
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Beitrag von Walter Franke » 09.06.2010 06:11

Archaeos hat geschrieben:
Ad 2: Sollte das Dir nicht zu denken geben? Der Stellenwert der Sondengänger in der hessischen Archäologie scheint doch nicht so hoch zu sein wie Du es Dir wünschst :oops:

[/quote] Das scheint nicht nur so, ist aber das Problem des Landesamts und nicht meins.[/quote]


Ad 3: Neulich hat ein Beamter der Forstverwaltung (er ist nicht Förster , sondern Bürofachkraft :wink: ) mir zwei mutmassliche Fundstellen in einem Waldmassiv gemeldet. Die eine war eine kaum erkennbare rechteckige Erhöhung welche eine Bewuchsanomalie aufwies (vinca minor). Die Kontrolle mit dem Detektor ergab, dass es sich tatsächlich um eine römische Siedlungsstelle handelt. Die zweite Fundstelle war nur durch Ziegelfragmente in einem Wurzelstock erkennbar. Die Kontrolle mit dem Detektor war negativ (extreme Verschrottung durch Militaria). Mit dem Detektor findet man keine ur- oder vorgeschichtliche Stellen im Wald. Die findet man aber mit den Augen in Wurzelstöcken (Scherben, Steinwerkzeuge).
Besser als jeder Metalldetektor ist ein Laserscan im Wald, um unbekannte Stellen zu orten ...[/quote]

... und ich kann dir im Wiesbadener Stadtwald den Wohnsitz eines römischen Wassermeisters zeigen, da siehst Du nichts. Mal sieht man was mal nicht, was soll das? Das ist doch hinreichend bekannt. Ist doch kein ersnthaftes Argument gegen die Vorteile eines Detektors im Wald.

Gut, dass uns in Hessen jetzt auch die Laserscanns zur Verfügung stehen. Ist eine feine Sache und wir haben schon viel darauf entdecken können.

Viele Grüße

Walter

Archaeos
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Beitrag von Archaeos » 09.06.2010 09:01

Walter Franke hat geschrieben:
Archaeos hat geschrieben:
Ad 2: Sollte das Dir nicht zu denken geben? Der Stellenwert der Sondengänger in der hessischen Archäologie scheint doch nicht so hoch zu sein wie Du es Dir wünschst :oops:
Das scheint nicht nur so, ist aber das Problem des Landesamts und nicht meins.
Dessen bin ich mir nicht sicher. Die hessische Sondengängerei hat ein ernsthaftes Image-Problem, nicht das LDA. Da Du die Interessen der hessischen SG zu vertreten scheinst, dürfte Dir dies eigentlich nicht egal sein.

Walter Franke hat geschrieben: ... und ich kann dir im Wiesbadener Stadtwald den Wohnsitz eines römischen Wassermeisters zeigen, da siehst Du nichts. Mal sieht man was mal nicht, was soll das? Das ist doch hinreichend bekannt. Ist doch kein ersnthaftes Argument gegen die Vorteile eines Detektors im Wald.
Die Metalldetektoren sind zur archäologischen Prospektion im Wald unverzichtbar, das will und kann ich nicht bestreiten. Es geht aber weniger um die Metalldetektoren im Wald als vielmehr um die Leute, die sie bedienen. :idea:
Walter Franke hat geschrieben:Gut, dass uns in Hessen jetzt auch die Laserscanns zur Verfügung stehen. Ist eine feine Sache und wir haben schon viel darauf entdecken können.
Dass Schatzsucher Zugang zu den 3D Geländemodellen haben, ist m. E. besorgniserregend und gefährdet in hohem Maße noch unbekannte oder wenig erforschte BD.

Die INSPIRE Direktive der EU hat eben nicht nur Vorteile ...

Walter Franke
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Beitrag von Walter Franke » 09.06.2010 19:02

[quote="Archaeos"[/quote] Dass Schatzsucher Zugang zu den 3D Geländemodellen haben, ist m. E. besorgniserregend und gefährdet in hohem Maße noch unbekannte oder wenig erforschte BD.

Die INSPIRE Direktive der EU hat eben nicht nur Vorteile ...[/quote]

Die Verweigerung des freien Zugangs zu Information ist besorgniserregend und gefährdet in hohen Maße den Rechtsstaat.

Viele Grüße

Walter

Drachentöter

Beitrag von Drachentöter » 10.06.2010 23:47

Dass Schatzsucher Zugang zu den 3D Geländemodellen haben, ist m. E. besorgniserregend und gefährdet in hohem Maße noch unbekannte oder wenig erforschte BD.

Geheimakte - Leseerlaubnis nur in Ausnahmefällen!

Söndli

Beitrag von Söndli » 11.06.2010 17:54

@ Drachentöter

Professionelle Schatzsucher haben weitaus mehr Datenquellen zur Verfügung als uns lieb ist. Man beachte das so einige Aktivitäten von anonymen Sponsoren finanziert werden deren Kontakte bis weit hinter die Kulissen gehen.
Kleines Beispiel:
BP hat ein spezial U-Boot angefordert um die Situation im Golf besser meistern zu können, das U-Boot ist aber derzeit nicht verfügbar weil es an einer Privaten Bergungsaktion an der Titanic eingesetzt wird!
So agieren Profis................
Da leider viele bestechlich sind und Geld die Macht hat wird man solche Leute auch nicht unter Kontrolle bekommen.

Die sogenannten Raubgräber sind da schon etwas einfacher zu fassen, die Leute von uns die Ihren weg im Verbund mit dem Behörden gehen werden denen das leben schon etwas schwerer machen. Jeder augagierte Sondengänger achtet schon auf seine Flächen. Aber auch das ist nur ein Teilerfolg................
Die Raubgräberei wird uns wohl noch bis ins Grab verfolgen :?
Ich hoffe das in der Zukunft noch viel an Weiterbildung und Aufklärung für uns Sondengänger geboten wird um sich fachgerecht arbeiten und beobachten zu können.
(Nur gemeinsam sind wir stark :!: :D )

Archaeos
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Beitrag von Archaeos » 17.06.2010 08:03

Söndli,
Es gebe Dir recht, dass man eher Raubgräber erwischt, umso zahlreicher man ist, um aufzupassen. Etwas muss du dir im Klaren sein: Die Zahl der Raubgräber d.h. besonders der aus Unwissenheit handelnden Sondengänger, steigt sehr stark an. Überall werden mittlerweile Metalldetektoren verkauft (selbst im Assortiment für Kinder und Jugendliche). In China hat man entdeckt, dass sich mit Billigdetektoren und Plagiaten von Markenmetalldetektoren viel Geld machen lässt, die Zahl der Detektorneulinge steigt europaweit und weltweit stark an, genauso wie die Zahl der Raubgräber, trotz immer restriktiverer Denkmalschutzgesetze.
Die Denkmalpflege steht einer Schwemme von unbedarften, fehlgeleiteten Sondengängern/Schatzsucher ziemlich machtlos gegenüber. Sollte sie versuchen, die SG aufzuklären und weiter zu bilden, wie Du es vorschlägst? Ich antworte Dir, dass dies eine Sisyphos Arbeit ist: das wäre so, als ob man das Bohrloch im Golf von Mexiko weiterhin auflassen würde und sich damit begnügen würde, jeden Tag
den Ölschlamm vom Strand zu kratzen. :idea:
Die Lösung ist, das Bohrloch zu verschließen, sprich den freien Verkauf von Metalldetektoren zu stoppen.

Dieses Ziel strebe ich an. Dass ich dabei wohl auf wenig Gegenliebe stoßen werde, ist mir bewußt. Im übrigen deutet nichts darauf hin, dass dieses Ziel schon bald durchführbar ist. In Osteuropa, wo die Archäologie am meisten Sorgen mit der illegalen Sondengängerei hat, tauchen sogar mehr neue Detektorhersteller auf. Abwarten ...

Drachentöter

Beitrag von Drachentöter » 17.06.2010 14:48

Dann biege ich mir Drähte, damit gehts auch.

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Beitrag von Archaeos » 17.06.2010 15:29

Drachentöter hat geschrieben:Dann biege ich mir Drähte, damit gehts auch.
Radiesthesie ... dann tu's doch. Ist wesentlich billiger als die L(ong) R(ange)L(ocator) Detektoren und genau so wirksam 8) Bislang ist mir noch jeder Wünschelrutengänger den Beweis schuldig geblieben, dass man mit der Rute (oder dem Pendel) einen Metallgegenstand orten kann.

Das Graben nach Schätzen unterliegt dennoch den Denkmalschutzgesetzen und bedarf einer Genehmigung ...

Söndli

Beitrag von Söndli » 17.06.2010 22:10

Hallöle Archaeos,

Deine Haltung bezüglich des Verkaufs von MD`s hast Du schon klar in vielen Freds dargelegt und das Du Dir damit nicht nur Freunde machst ist auch klar. (aber mach Du mal ruhig weiter in der Richtung :!: )
Einen Verkauf unter Vorbehalt ist ja auch gar nicht so schlecht allerdings weis ich noch nicht wie das umgesetzt werden soll.

Das die Selektion von Sondengängern sehr schwierig ist sollte klar sein aber diese Sisyphos Arbeit, wie Du es nennst, sind Archäologen ja schon gewohnt. :D :D

Das die Zahl der illegalen Sondengänger ständig steigt sieht man ja an den Verkaufszahlen und gemerkt habe ich es in meiner Region auch schon, daher ist eine gewisse Präsenz schon vorteilhaft. Ich sagte aber auch das dies nur ein Teilerfolg ist..........leider. :(

Da wir ja das Recht auf Forschung haben, muss bei einem MD Verbot allerdings auch eine Lösung her die es ermöglicht Forschungen in diesem Maße durchführen zu können. Da sind wir dann wieder beim Thema Schulungen und Weiterbildungen.

Das Problem bei dem Bohrloch ist halt dies dass man es derzeit nicht schließen kann. Demnach kommt immer mehr Öl raus, selbst wenn es verschlossen wird sind die Spätfolgen noch über Jahrzehnte zu spüren.

Selbst wenn Du es verbieten könntest mit den MD`s werden die Spätfolgen noch erheblich sein.
Jetzt sollte man wie ein Fischer ein Netz auswerfen........................................... das Netz besteht dann aus den Archäologen und Co., den EM`s, Geschichtsvereinen bis hin zum sogenannten Sondengänger.

Eine derzeit bessere Lösung kann ich nicht finden, da das Problem nicht im Keim erstickt werden kann sollte man dann lernen damit umzugehen und das derzeit beste draus zu machen.

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