Wie genau müssen Funde auf eine Acker eingemessen werden

Warum gibt es Archive? Warum sind Befunde meistens wichtiger als Funde? Warum ....?

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Lojoer
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Wie genau müssen Funde auf eine Acker eingemessen werden

Beitrag von Lojoer » 02.11.2005 21:54

Hi,
ich möchte hier eine Disskussion über das Einmessen von Bodenfunden auf gestörten Flächen wie z.B. Äckern eröffnen.
Wie genau müssen solche Funde eingemessen werden? Wie hoch ist die Streuung von Funden durch die Bewirtschaftung der Flächen? Welche Rolle spielt die Art der Bodenbearbeitung?
Hintergrund der Diskussion ist, ob eine Einmessung mit handelsüblichem GPS (+/- 5m) ausreicht.
Ich hoffe, dass sich auch Archäologen an der Diskussion beteiligen.
Gruß
Jörg

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StefanGlabisch/Entetrente
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Dann werde ich mich mal outen...

Beitrag von StefanGlabisch/Entetrente » 02.11.2005 22:22

:D Dann werde ich mich mal outen....
Ich für meinen Teil bin bisher nur an offenen Baustellen suchen gegangen.
D.h. die gesamte Fläche war abgebaggert und an die Seite als Lärmschutz geräumt. Bzw. beim Hausbau an die Seite zum Verfüllen getürmt.

Meine Archäologen haben zwar auch eine GPS-Einmessung bekommen > aber auch den Hinweis, das dies mit Sicherheit NICHT der Ursprungsort der Funde war !
In diesem Fall würde eine genaue Einmessung nur Sinn ergeben, wenn die Funde aus der Schicht unter dem abgetragenen Boden stammten.

Die Flächen sind allesamt mittlerweile zubetoniert oder mit einem Haus bzw. einer Fahrbahndecke versiegelt.
Vermittler nur für faire Archäologen und meldewillige Sondengänger.

Lojoer
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Beitrag von Lojoer » 02.11.2005 22:30

Hi Stefan,
wo der Bagger mal gewütet hat kann man kaum von gestörten Flächen sprechen, sondern muss wohl eher von zerstörten Flächen reden. In Fällen von Erdaushub ist wohl eine Abschätzung der ursprünglichen Fundlage eher angebracht, als eine Einmessung mit GPS.
Gruß
Jörg

Sobbi
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Beitrag von Sobbi » 04.11.2005 11:51

Servus Jörg,

die Streuung der Funde hängt größtenteils von der zeitlichen Länge und der Art der Bodenbearbeitung ab.

Die Teile eines zerpflügten Bronzeschwertes (grauenhafter Gedanke) können dadurch nur auf 1m oder eben auf 10m verteilt sein.

Ist sehr relativ zu sehen, würde ich sagen.

Gruß Sobbi

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Weihen
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Beitrag von Weihen » 04.11.2005 12:34

Hier im Nordwest-Deutschland ist diese Frage noch schwerer zu klären, da hier ab dem Mittelalter Plaggenwirtschaft betrieben wurde.

Soll in Kurz heissen es wurde Fruchtbarer Boden in Wald & Heide als "Plagge" gestochen und auf´s Feld gefahren.

In den Oberen Feldschichten ist es daher nicht nachvollziehbar woher Mittelalter- und ältere Funde nun wirklich stammen.

Der Vorteil dieser "Plaggenesch"-Flächen ist dann, wenn bei baulichen Massnahmen die obere Schicht abgetragen wird. Dort sind dann Tatsächliche ungestörte Fundzusammenhänge zu erwarten.

Deshalb ist es bei uns nicht ganz so wichtig auf Feldern GPS-Koordinaten festzuhalten. Der ungefähre Fundort auf dem Feld ist in diesem Fall ausreichend.

Gruß Stephan
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Beitrag von Lojoer » 04.11.2005 20:25

Hi Stephan,
von einigen Archäologen wird die Meinung vertreten, dass die Verschleppung von Funden auf Äckern vernachlässigbar klein ist und die handelüblichen GPS-Geräte nicht zur Einmessung ausreichen. So wird einigen Suchern nahegelegt die Funde metergenau von Ackergrenzen und oder Grenzsteinen einzumessen.
Meine Erfahrungen zeigen jedoch, dass aufgrund der modernen Landwirtschaft (wie z.B. Kreiselegge) Funde doch erheblich zerstreut werden. Bei meiner letzten Grabung habe ich einzelne Bruchstücke einer römischen Glocke in einem Umkreis von bis zu 10m gefunden.
Meiner Meinung nach ist bei Bodenfunden aus der Pflugzone die Einmessung mit handelüblichen GPS-Geräten durchaus ausreichend.
Leider hat sich zu diesem Thema bisher ja noch kein Archäologe gemeldet und über sien Erfahrungen berichtet.
Gruß
Jörg

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Weihen
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Beitrag von Weihen » 04.11.2005 21:28

Hallo Jörg,
ich hatte dich schon richtig verstanden, was ich jedoch sagen wollte ist: das auf einem Eschgebiet nicht Gewiss ist woher der Fund Ursprünglich stammt, da niemand weiss woher die gestochenen Plaggen stammen!!!!

... und damit ist der heutige Fundort relativ "Egal", jedoch wenn es eine Geschichtlich belegten Ort, z.B. Fluchtburg in der Nähe ist und bekannt ist das dort Plaggen gestochen wurden, wird es Interissant wo weitere Flächen sind wohin diese Plaggen hingeschafft wurden.

Gruß Stephan
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Archaeos
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Beitrag von Archaeos » 05.11.2005 10:26

Lojoer hat geschrieben: Hi Stephan,
von einigen Archäologen wird die Meinung vertreten, dass die Verschleppung von Funden auf Äckern vernachlässigbar klein ist und die handelüblichen GPS-Geräte nicht zur Einmessung ausreichen.

Richtig!!!!
Lojoer hat geschrieben: So wird einigen Suchern nahegelegt die Funde metergenau von Ackergrenzen und oder Grenzsteinen einzumessen.
Bevor es GPS gab, wurde es so gemacht. Ziemlich aufwendig. Zudem muss man immer auf den rechten Winkel achten... Die Genauigkeit des GPS ist oft besser als die manuelle Aufnahme.

Lojoer hat geschrieben: Meine Erfahrungen zeigen jedoch, dass aufgrund der modernen Landwirtschaft (wie z.B. Kreiselegge) Funde doch erheblich zerstreut werden. Bei meiner letzten Grabung habe ich einzelne Bruchstücke einer römischen Glocke in einem Umkreis von bis zu 10m gefunden.
Eine Verschleppung bis zu 10 Metern ist normal. Am besten erkennt man die Verschleppung durch landwirtschaftliche Geräte bei Schatzfunden :wink: 10 Meter auf einer topographischen Karte im Massstab 1:20.000 is 0,5 mm, das entspricht der stärke des Minenschreibers ...

Lojoer hat geschrieben:Meiner Meinung nach ist bei Bodenfunden aus der Pflugzone die Einmessung mit handelüblichen GPS-Geräten durchaus ausreichend.
RICHTIG!!

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Beitrag von Lojoer » 05.11.2005 13:57

Allo André,
die zu der genauigkeit von den üblichen Topo 25000 Karten kann ich nur sagen, dass sie mir für die Kartierung zu ungenau sind. Ein Flurweg wird 2 mm stark dargestellt, dass entspricht 50m in der Natur. Somit liegt manches Fundstück vom Acker oft in der Karte auf dem Weg. Ich bin daher vollständig auf Luftbilder im Maßstab 1:1000 umgestiegen, über die ich ein Gauss-Krüger-Koordinatennetz lege.
Siehe z.B. meine fiktive Fundmeldung unter
http://www.digs-online.de/dokumente/fun ... _profi.pdf
Die Topo-ergänzung gibt es gegebenenfalls nur als Orientierungshilfe. Den Jahresabschlussberichten werden dann selbstverständlich komplette Übersichten des betroffenen Suchgebietes beigefügt.
Viele Sucher werden natürlich denken, dass eine solche Dokumentation ein zu großer Aufwand ist, aber solche Übersichten über Fundgebiete erlauben Rückschlüsse, die zu einer deutlich höhern Fundrate führen.
Außerdem sind derartige Übersichten nicht zuletzt auch für die Archäologen an der UNI interessant und führen dann u.U. zu entsprechenden Grabungen.
Gruß
Jörg

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Beitrag von msp13 » 06.10.2006 08:59

Habe letztens noch mit einem Archäologen gesprochen und er ist fast auf die Knie gefallen, als ich ihm die per GPS ermittelten GKs gab, da er bisher nur vage Angaben wie" 15 Schritte vom Baum " oder " Schritte vom Feldweg " kannte ( Problem Altersstarrsinn bei Ehrenamtlichen ....;) )

Söndli

@ all

Beitrag von Söndli » 06.10.2006 09:41

Hallöle Lojoer :-),
als ich das Thema einmessen bei meinem zuständigen Archäologen angesprochen habe meinte dieser das ein GPS vollkommen ausreichen würde! Da eine grobe Streuung durch das Gerät der Landwirte stattfinde wäre ein genaues einmessen der Funde eh nicht möglich da diese bis zu 10 Metern von Ihrem eigentlichen Platz entfernt werden würden.

Aber das mit den Luftbildern ist ne tolle Sache, glaube hatte Dich schonmal gefragt wo man diese her bekommt, leider finde ich aus meiner Region keinen Server wo ich nachschauen könnte!!!
Oder hat jemand Tipps oder Links!!
Stelle gerade Äcker zusammen aus der Gegend Euskirchen ,Rheinbach !!
Wenn jemand helfen kann bitte melden, dankeeeeeeee :-)

Grüßle
Ingo

Lojoer
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Beitrag von Lojoer » 06.10.2006 18:43

Hi msp13,
das Einmessen mit GPS sollte ansich Standard sein. Vielen älteren Feldbegehern ist diese Technik jedoch fremd. Die Verwendung von Technik ist einigen von ihnen sowieso ein greul. Hierin ist z.T. auch die panische Ablehnung von Detektoren begründet.

Hi Ingo,
bei uns in Hessen bekommt man die sogenannten Orthophotos über das Liegenschaftskataster.
http://lika.hessen.de/cgi-bin/lika-orde ... 21178f623a
Ich gehe davon aus, dass bei Euch eine entsprechende Stelle existiert.
Gruß
Jörg

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StefanGlabisch/Entetrente
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Hallo Ingo

Beitrag von StefanGlabisch/Entetrente » 06.10.2006 21:51

:D Hallo Ingo,
hast du denn http://www.geoserver.de ausprobiert ?

Damit müßte es gehen.

Besten Gruß
Vermittler nur für faire Archäologen und meldewillige Sondengänger.

jupppo
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Beitrag von jupppo » 07.10.2006 09:30

Das Ding heisst:

http://www.geoserver.nrw.de

hat sowohl Luftbilder als auch die DGK und weitere Topokarten kostenlos.
Liebe Grüße


jupppo

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Natürlich....

Beitrag von StefanGlabisch/Entetrente » 07.10.2006 21:57

:D Natürlich !

Danke. Und schönes Wochenende !
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